REALISTISCHE KUNST

          ZWISCHEN TRADITION UND GEGENWART

Wiessenswertes zur Sumi-e Malerei


Das eigentliche Wesen der Sumi-e Malerei ist die Bemühung um das Sichtbarmachen des jetzigen Moments. Formal gibt es nur die schwarze Tusche und das weiße Papier. Mit wenigen Pinselstrichen versucht der Ausführende das Geschehene zu fixieren. Jeder Strich spricht in seiner Form über den Maler und seinen Zustand. Es gibt kein Verbessern. Was steht, steht. Jeder Strich wie ein Axthieb.

Malerei dieser Art fand im Zen Buddhismus seinen Übungsraum, um sich in einer Art der Gelassenheit zu erleben. Gelassenheit bedeutet hier: Lassen des Ich-Bewusstseins, welches als ständige Kontrollfunktion erlebt wird. Kontrolle im Tun verhindert eine spezielle Ausdrucksqualität, die nicht "gemacht" werden kann. Dies ist nicht nur auf die Kunst beschränkt, sondern kann auch in den Tätigkeiten des Alltags erlebt werden.

Auf diesem Hintergrund wurde Sumi-e ("Weg der schwarzen Tusche") als spirituelle Übung in den Zen Klöstern Japans kultiviert. Meistens wurden Buddha, Tiere oder Naturstücke als Motive benutzt.